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Besser als ihr Ruf
Bezirksbeamter Karlheinz Schulmann neun Monate in der Windflöte

Senne (lex). Als uniformierte Staatsmacht muss Karlheinz Schulmann nur selten einschreiten. „Die Windflöte ist besser als ihr Ruf“, sagt der Bezirksbeamte resümierend. Vor einem Dreivierteljahr trat der Hauptkommissar nach 23 Jahren im so genannten Wach- und Wechseldienst – im Streifenwagen – seinen Dienst im zweiten Senner Bezirk an. Durchaus mit Befürchtungen, nun in einem problematischen Ort zu arbeiten. Mittlerweile ist der neue Dorfsheriff überrascht.

„Es gab hier so gut wie keine Verkehrsunfälle“, berichtet Schulmann rückblickend. Zwar habe er einige Bagatellschäden und Fahrerfluchten im Anschluss an den berühmten Kratzer beim Ausparken bearbeiten müssen. Schwere Unfälle seien aber keine passiert. Lediglich zwei problematische Orte sehe er. „Es fehlen die Radwege an der Friedrichsdorfer Straße“, sagt er, „die wären aus polizeilicher Sicht dringend zu wünschen.“ Zum Zweiten krache es öfter an der Einmündung der Enniskillener auf die Senner Straße.

Doch nicht nur in dieser Hinsicht betrachtet Schulmann die Windflöte als einen ruhigen Ort. Auch die Kriminalität schätzt er als eher gering ein. „Es gab ebenfalls kaum Wohnungseinbrüche.“ Die Angst vor dem bösen Unbekannten, der nachts einsteige, sei hier eher unbegründet. Dafür geschehen vergleichsweise zahlreiche Delikte dort, wo sich Menschen eigentlich sicher fühlen. „In Familien müssen oft Streitigkeiten geschlichtet werden.“ Teilweise komme es dabei sogar zu Körperverletzungen. „Gewalt in Beziehungen“ heißt die polizeiliche Kategorien, unter der Schulmann Derartiges schließlich bürokratisch weiterverarbeitet.

Doch der in Schloß Holte-Stukenbrock lebende Dorfsheriff versucht, so selten wie möglich als Polizeibeamter einzuschreiten. So etwa bei zahlreichen Beschwerden.

Wenn sich etwa Jugendliche auf Parkplätzen oder in Sackgassen treffen, greifen besorgte Bürger zum Telefon und rufen die 2040 – Schulmanns Nummer im Bezirk. „Ich komme dann mit den ihnen ins Gespräch und meist sind sie einsichtig“, so Schulmann. Spannungen gebe es im Stadtgebiet mit den zahlreichen eingewanderten Volksgruppen, etwa Mensch aus der Türkei oder Russland. Letztlich hat der Bezirksbeamte aber Verständnis für die Heranwachsenden. „Es fehlen ihnen Anlaufpunkte“, schildert er aus seiner Erfahrung. Das Zefi reiche da längst nicht aus. Von solchen Fällen abgesehen, erlebt er den Ortsteil als sehr ruhig.

Die bunte Mischung der 10.000 Menschen im Bezirk schlage sich in der Kriminalitätsstatistik nicht nieder. Dabei soll der Bezirksbeamte – polizeiintern auch liebevoll „Kuschelpolizist genannt – Straftaten im Vorfeld angehen. „Ich komme eben nicht auf einen Notruf hin“, erzählt der Hauptkommissar, „sondern gehe von mir aus los.“ Nachbarschaftsstreitigkeiten etwa versuche er aufzufangen, bevor sie strafrechtlich relevant werden. „Ich möchte die Mensch beim Streit mit 'denen da Oben' wieder ins Gespräch bringen.“ Ausgleichen statt Eingreifen. Dies ist der wichtigste und zugleich befriedigendste Unterschied zum Streifendienst. „Da hat man keine Zeit, sich mit den Menschen zu befassen.“ Nun könne er langfristig wirken.

Wenngleich Schulmann nun nicht mehr im prestigeträchtigen Einsatzwagen fährt. Per pedes oder mit dem Privatwagen bewegt er sich im Bezirk. Doch das soll sich ändern: Schulmann wünscht sich von seiner vorgesetzten Dienststelle ein Fahrrad.

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