Fotografie - ein sensibles Medium
Jede Fotografie kann grundsätzlich als wissenschaftliches Bild betrachtet werden, denn sie wird von einem Instrument erzeugt, dessen sämtliche Parameter kontrollierbar sind [. . .]
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Ein Foto ist nach Frizot ein besonders vertrauenswürdiges und wissenschaftliches Medium, da es unter Einhaltung gewisser Regeln, exakt, sicher und vollständig abbilden kann.
Der wissenschaftliche Nutzen der Fotografie ergab sich in der Vergangenheit allerdings nicht aus seiner bloßen Rolle als Mittel der Dokumentation. Also der Fixierung von Lichteindrücken, die etwa ein physikalischen Experiment stammen. Sondern vor allem aus der technologischen Aufrüstung des Auges.
Im fotografischen Apparat verändern Strahlen, die durch eine Optik auf eine zweidimensionale Fläche gelenkt werden, eine chemische Substanz (oder heute: einen elektronischen Zustand). Dieser Prozess, der prinzipiell auch im menschlichen Auge stattfindet, ist in der Kamera allerdings leistungsfähiger: Diese kann zeitlich verändert (kürzer oder länger), weiter, genauer und durch Dinge hindurch sehen.
Sie kann also dem Auge etwas zu sichtbar machen, was ihm bislang als unsichtbar galt.
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Fotografie-historisch verbesserten sich zunächst die Optiken: Mikroskop und Teleskop erschlossen neue Kosmen (im Großen und im Kleinen) zunächst für den individuellen Betrachter. Ab 1839 koppelten sich die Techniken zur Mikrofotografie.
Das Kleinste war visualisierbar und damit wissenschaftlich exakter nachvollziehbar sowie langfristiger optisch gesichert. Vor allem in der Biologie und Zoologie ersetzte die Mikrofotografie die bis dahin üblichen Zeichnungen bei botanischen Klassifizierungen. Der wissenschaftliche Fortschritt war [. . .] von der Deutung dessen abhängig, was nun hinsichtlich der Form, der Verschiedenartigkeit der Materie und der Grenzen der Substanz sichtbar wurde.
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Dieselbe optische Technik der Vergrößerung machte um 1840 eine Fotografie der Mond-Oberfläche möglich; 1845 bildeten León Foucault und Hippolyte Fizeau die Sonnenflecken erstmals ab. Zugleich allerdings verbesserte sich die Lichtempfindlichkeit der fotografischen Platten. Für die Astronomie entwickelte man später sogar Spezialemulsionen.
Kombiniert mit langen Belichtungszeiten war die Aufzeichnung und damit Visualisierung für das menschliche Auge selbst mit dem Teleskop unsichtbarer Planeten möglich. Zudem gelang es, deren exakte Bewegung mit Serienfotografien zunächst sichtbar und – wenn man den Entstehungsbedingungen der Fotos gleich hielt – berechenbar zu machen.
Damit galt die Fotografie endgültig als ein besonders sensibles Medium, das, einem Messgerät ähnlich, kleinste optische Signale aufzuzeichnen vermochte.
Das Foto als Abbild einer anderen Welt
Womit der Zugang zu einer neuen Welt erst ermöglicht wurde. Doch weit beeindruckender war die Beeinflussung der fotografischen Platten durch nicht-weißes Licht – also durch elektromagnetische Strahlen aus dem nicht-sichtbaren Spektrum.
Nach Frizot gelang bereits 1842 auf herkömmlichen Daguerroetypie-Platten eine Aufnahme mit infraroter (langwelliger) und ultravioletter (kurzwelliger) Strahlung.
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Damit steht die Fotografie bereits vor der Grenze zur Geisterfotografie: Unsichtbares (infrarote Wärmestrahlung) konnte Spuren auf einer fotografischen Platte hinterlassen. Noch evidenter wurde dieser Zusammenhang 1895 mit der Entdeckung Wilhelm Röntgens. Die zunächst X-Strahlen und später nach ihrem Entdecker benannten Strahlen erschlossen optisch etwas, dass vollständig unsichtbar gewesen war – das Innenleben des Körpers. Man vergaß hierbei schnell die eigentliche Prozedur und ihre technischen Zwischenschritte.
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In der Folge entwickelte sich, so stellt Frizot es dar, aus der fehlerhaften Rezeption der Röntgen-Technik eine Tradition der Sichtbarmachung des Unsichtbaren. In diese Reihe stellt der Hippolyte Baraduc, der 1896 sein Buch Spontane Ikonographie herausbrachte.
Baraduc ging davon aus, dass sich ein Fluidum, ein psychischer Lebensstrom, auf die Platten lenken ließ und diese "belichten" konnte.
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Ich denke, dass man diesen Zusammenhang zeitlich früher verorten kann. Der Mesmerismus und hier aufgezeigte Theoreme und energetische Konzepte ließen schon früher die Annahme zu, dass neben den elektromagnetischen Strahlen auch andere die Potenz hatten, fotografische Platten zu beeindrucken. Kennzeichnend für die im okkultistischen Umfeld genannten Diskurse war allerdings, dass die bilderzeugenden "Kräfte" stets menschlichen und nicht unbelebten Ursprungs waren.
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