PEinleitung

Die Fotografie kann zunächst ganz formal als technische Anwendung verstanden werden. Sie ist demnach eine Apparatur, die in der Lage ist, die Einwirkung von Strahlen, wenn diese sich nach den Regeln der Optik lenken und brechen lassen, auf einer Fläche langfristig zu fixieren.
An dieser Abbildungsmöglichkeit entzünden sich bereits kurz nach ihrer technischen Entwicklung zahlreiche kulturelle Phänomene. So prägt das fotografische Bild auch die künstlerische Ästhetik, wie Veit Loers aufzeigt. 1 In der Zeit seiner technischen Entstehung und Anwendung, wird es in vielfachen Kontexten rezipiert.

Die Rezeption des technischen Mediums Fotografie im religiösen Spiritismus scheint auf den ersten Blick widersprüchlich. Dennoch ist die Fotografie eng mit paranormalen Phänomenen verbunden. Denn sie leistet vorgeblich etwas, zu dem eine subjektive menschliche Wahrnehmung nicht in der Lage ist: dem objektiven Beweis und optischen Nachweis der Phänomene. Auch heute noch. Man denke etwa an die Diskussionen um UFO-Fotografien oder den Yeti. Und spätestens seit der Entdeckung der Röntgen-Darstellung schreibt man der Fotografie auch die Fähigkeit zu, Unsichtbares sichtbar machen zu können. Das Auge wird gleichsam technologisch aufgerüstet.

Dennoch sind Bilder, das soll im Folgenden gezeigt werden, gewissermaßen Ansichtssache: Sie bilden nicht einfach ab. Zeigen nicht einfach, was sie zeigen, sondern geben Anlass zur Interpretation. Ihre Bedeutung variiert innerhalb der Rezeptionskontext in denen sie erscheinen. Diesem problematischen Charakter der Fotografie muss besonders bei der Fotografie paranormaler Phänomene nachgegangen werden.
Denn was ein Bild zeigt, ist eine Frage der Episteme. Das Verständnis der Geisterfotografien und der Fotografien paranormaler Phänomene muss in die Diskurse des Spiritismus und Okkultismus gestellt werden.

1 Loers, Veit u.a.: Im Reich der Phantome: Fotografie des Unsichtbaren. Ostfildern-Ruit 1997
Erstellt am: 17. März 2005, generiert: 17:01 Uhr. Ver: 0.9 Valid: XHTML | CSS