Okkultismus: die Erforschung geheimer Kräfte
Okkultismus erweist sich heute als ein schwieriger Sammelbegriff. Er subsumiert eine breite Palette übernatürlicher Phänomene, die aktuell vor allem in christlichen Kontexten als jugendgefährdend diskutiert werden.
Bezogen auf die Fotografie paranormaler Phänomene und im Hinblick auf die hier betrachteten Quellen allerdings muss die zeitgenössische Semantik herausgearbeitet werden. Das wiederum wäre Anlass zu langen Betrachtungen. Ich versuche, der Begrifflichkeit vor allem im Hinblick auf seinen unmittelbaren Bezug zum Schrenck-Notzing (siehe Materialisationsphänomene) nachzugehen.
Den Begriff des Okkulten verwendet erstmals der Theosoph Sinnett im Jahre 1881 erstmals. Seither findet sich eine oft beinahe synonyme Verwendung von Spiritismus und Okkultismus. Bezeichnet man ganz allgemein mit "Okkultem" (lat. occultus = verborgen, versteckt) Kräfte, die im Verborgenen wirken, sich also der Wahrnehmung der Sinnesorgane entziehen, hat das Logik. Geister sind unsichtbar. Lediglich außergewöhnliche Phänomene (Klopfzeichen) lassen auf ihren Einfluss schließen.
Doch diese Auffassung ist bereits eine okulte Retrospektive auf den Spiritismus, wo nicht primär die Ursache der Phänomene thematisiert wurde – die war in den Auge der Spiritisten ja klar.
Wie gezeigt (Spiritismus), entwickelte der Spiritismus ein festes Repertoire von Phänomenen. Vorn anstehend die schwebenden Tische. Von diesen physikalischen Manifestationen ausgehend, wandelte sich deren Betrachtung. Zunehmend näherte man sich ihnen nicht mehr als einem bloßen Anzeichen von Geisteraktivität, sondern hinterlegt ein empirisch-wissenschaftliches Interesse. Vor allem in Deutschland, wo dieses Moment bereits von Anfang an angelegt war.
Was begründet diese Veränderung? Trotz seiner Qualität einer religiös-psychischen Bewegung blieb der Spiritismus nicht frei von theoretischen Erklärungsmustern. Das zentrale ist der Mesmerismus.
Die auch als "animalischer Magnetismus" bezeichnete Theorie geht auf den französischen Arzt Franz Anton Mesmer (1734 – 1815) zurück. Dieser therapierte mit diesem Konzept verschiedene Krankheiten, wobei er davon ausging, das diese von einer Desorganisation oder einem Mangel der Allfluth ausgelöst wurden.
Dieses Fluidum betrachtete er als ein allgegenwärtiges, belebte und unbelebte Dinge durchdringendes, Agens. Ein besonders begabter Mensch konnte mit seinen Händen dieses Fluidum in Menschen wieder ins Lot bringen. Doch weniger die Heilerfolge Mesmers und der folgenden Magnetiseure erregten Aufsehen: Vielmehr waren es die außergewöhnlichen Begleitumstände.
Die Mesmerisierten gerieten in magnetisch induzierte Trance-Zustände, bei denen sich so genannte höherePhänomene zeigten, etwa Telepathie oder die enge Verbindung von Magnetiseur und Patient. Letzterer verspührte etwa Schmerzen oder geschmackliche Empfindungen des Magnetiseurs zeitgleich, aber räumlich von diesem getrennt.
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Die inhaltlichen Neukonzeptionen und Rezeptionen dieses Theorems, dass einen oft unterschätzten Einfluss auf eine Vielzahl der okkulten Theorien des 19. Jahrhunderts besitzt (Fischer) liefern Anhaltspunkte für die zunehmend empirisch-wissenschaftliche Betrachtung der Phänomene.
Bereits Mesmer selbst sieht sich mit seinen Überlegungen in der naturwissenschaftlichen Tradition. Die wichtigsten Entdeckungen auf dem Gebiet der Elektrizität fallen in die Lebensspanne Mesmers und seiner Nachfolger.
Der Mesmerismus transformiert sich in der Mitte des 19. Jahrhunderts: Er spaltet sich in zwei Richtungen auf. Die eine verläuft in Richtung Hypnotismus und konzentriert sich auf die Erforschung des somnambulen, Zustandes in psychologischer Tradition.
Die zweite mündet, von den höheren Phänomen des Mesmerismus, also außersinnlichen Wahrnehmungen und physikalischen Phänomenen, ausgehend, im Spiritismus. Dass Medien in diesem eine so zentrale Stellung einnehmen, dafür liefert der Mesmerismus liefert ein Erklärungsmuster: Im Mesmerismus verfügen Einzelne über besondere Sensibilität für die Bewegungen und Signale der "Allfluth".
Sie sind in der Lage, diese unterschwellige Kraft, die durch alles fließt, zu kanalisieren. Das findet in den Bezeichnung "magnetisierte Tische" beim spiritistischen Phänomen des Tischerückens seinen Ausdruck.
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Zugleich allerdings werden die schwebenden Tisch in Kreisen gläubiger Spiritisten als Geisterwerk angesehen. Diese beiden Ebenen sind zu trennen: Spiritismus als weltanschaulich orientierte, religiös-psychosoziale Bewegung und Spiritismus als okkulte Theorie.
An letztere schließt am Ende des 19. Jahrhunderts ein breite Tradition wissenschaftlicher Forschung wieder an. Der Nobelpreisträger und Mediziner Charles Trichet setzt in seinem zentralen Werk, dem Traite des Métapsychique, den Beginn der wissenschaftlichen Periode auf 1872 fest, als William Crookes seine Experimente beginnt (diese Experimente sind hier kurz beschrieben).
Trichet kann als Begründer der Forschungsdisziplin "Parapsychologie" gelten, da er den Begriff prägte; im Französischen Métapsychique. Sein Traite des Métapsychique, das 1922 erschien, teilt die Entwicklung der okkulten Forschung in vier Perioden ein: Die mystische (bis 1778) endet mit dem Eintreffen Mesmers in Paris. Er begründet die magnetische Periode, die 1848 mit den Geschwistern Fox in die spiritistische mündet. Ab 1872 beginnt mit den methodegeleiteten Experimenten die wissenschaftliche Periode.
Dem Engländer Crookes, der bis 1874 experimentierte, folgte in Deutschland der Leipziger Astrophysiker Friedrich Zöllner (1834 – 1882) nach. Dieser experimentierte als Erster in Deutschland theoriegeleitet mit dem Medium Henry Slade. Zwischen 1877 und 1878 zeigte Slade einige Materialisationen, denen Zöllner große Offenheit entgegenbrachte.
Immer wieder begegnen uns Naturwissenschaftler, die sich, was aus heutiger Perspektive überraschend wirkt, mit okkulten Phänomenen beschäftigen. Auch Crookes war Physiker. Trichet, ein führender Okkultist, galt ebenfalls als eine Größe der medizinischen Forschung.
Die wissenschaftliche Perspektive auf übernatürliche Phänomene war näher liegend, als das aus der heute angelegten Dichotomie zwischen Paranormalem und solider empirischer Faktenbasis erscheinen mag.
Für einige Physiker und erst recht für psychologisch orientierte Ärzte war offenbar durchaus vorstellbar, dass Tische schweben können. Unterstellt man der Physik des ausgehenden 19. Jahrhunderts nicht eine gradlinige methodische Fortentwicklung, wo bereits zu Beginn der Forschung ihr Ergebnis feststeht, sondern eine breite Experimentier- und Sondierungsmethode – zahlreiche große Erfindungen dieser Zeit sind zufällige Entdeckungen! –, gewinnt diese Vorstellung durchaus an Plausibilität.
Zumindest ist nachvollziehbar, warum einige Naturwissenschaftler "okkulte" Phänomene nicht von vornherein schlichtweg ablehnten.
In den 1870er Jahren entsteht jene Grauzone zwischen Wissenschaft und Spiritismus, die die Zeitgenossen als Okkultismus begreifen. In den okkulten Diskursen der Zeit streitet man auch darum, was unter dem Begriff "wissenschaftlich" zu fallen hat. Bei Baerwald wird dies deutlich:
Aber das Wort Okkultismus enthielt im Grunde einen Widersinn: Wissenschaft ist dazu da, aufzuhellen und zu erklären, nicht um ihre Gegenstände okkult, d.h. im Dunkel zu lassen.
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Dieses Problem löse schließlich, so schreibt Baerwald 1926, der Begriffsvorschlag "Parapsychologie", der sich mit den psychologischen Mechanismen auseinander setze.
Er unterstellt ihr, sie entwickle sie zu einer Naturwissenschaft. Zunächst sei die Hypnose okkult gewesen und nun anerkanntes Faktum. Bald werde es auch mit der Telepathie (sic!) soweit sein.
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Aus der Logik resultierend, unterscheidet er vier Parteien, die er anhand ihrer Strenge im Hinblick auf wissenschaftliche Methoden einteilt: Die sind bei Spiritisten nicht vorhanden, während Okkultisten wissenschaftliche Methoden für den Nachweis bislang nicht erklärbarer Phänomene vereinnahmen. Die telepathistische Fraktion gehört nur dem Rand der Psychologie an und erkennt als einzig übernatürliches Phänomen die Gedankenübertragung an.
Während die Negativen sämtliche Phänomene auf bekannte Physik (also letztlich oft: Betrug und Taschenspiel) und Psychologie (Suggestion oder Halluzination) zurückführen.
Die Animismus-Spiritismus-Kontroverse
Mit Baerwald allerdings präsentiere ich das Ende des Wandels: Ähnliche Kategorien würde sicherlich auch eine Betrachtung von Phänomenen wie UFO-Erscheinungen erbringen.
Eine für diesen Ausgang maßgebliche Kontroverse setzte 1885 der Philosoph Eduard von Hartmann mit seiner Publikation Der Spiritismus. Darin versuchte er erstmals, alle Erscheinungen, die Medien bis dahin zustande gebracht hatte, konsequent psychologisch zu erklären. Alle übrigen Erklärungen, die den Einfluss von Geistern, Dämonen oder Betrug vorsahen, nahm er aus.
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Einhergehend mit einer Systematisierung und einer Methodenlehre für den gesamten Mediumismus, die Lehre von Phänomenen, die medial Begabte vervorzubringen behaupteten, versucht Hartmann, sowohl subjektive als auch objektiv-physikalische Phänomene auf eine psychologischen Effekte zurückzuführen.
So erzeuge etwa eine subjektive Halluzination die Materialisationen des Mediums. Sichtbar mache diese Halluzinationen eine Nervenkraft, die sich außerhalb des Körpers verdichten könne.
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Entscheidend war die Abkehr von externen Erklärungen für die Erscheinungen. Für sie zeichnen allein Menschen – in welcher Weise auch genau – verantwortlich. Diese Position bezeichnet Aksakow in seiner Antwortschrift Animismus und Spiritismus als Animismus. Aksakow erkennt diese an, verneint aber deren Ursächlichkeit für alle medialen Phänomene. Einige seien dem Einfluss von Geistern zuzuschreiben, was die Gegenposition des Spiritismus kennzeichnet.
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