PGeisterfotografie

Geisterfotografie und Fotografie okkulter Phänomene

Am Anfang dieser Seminararbeit stand die Verwunderung über zwei Dinge: Zum Einen verstören die Abbildungen von "Geistern", schwebenden Gegenständen, undeutlichen Schatten und leuchtenden Sphären. Zeigen sie doch ganz offensichtlich, dass eine zweite, paranormale Welt in unsere Lebens- und Erfahrungswelt einbrechen kann. Sie weisen die reale Existenz von Geistern und paranormalen Phänomenen sichtbar nach, was in einem krassen Missverhältnis zum Alltagserleben steht.
Zugleich allerdings sind heute zahlreiche Möglichkeiten der modernen Bildbearbeitung und -erzeugung bekannt. Das verweist darauf, dass Fotos nicht zwangsläufig eine Realität abbilden müssen. Und dennoch ist heute, wo wir unsere Welt beinahe nur medial vermittelt erleben, schwer, sich der Offensichtlichkeit der Fotografien zu entziehen: Trotz des Wissens um Manipulationen der Bilder glauben wir tendenziell an den Realismus der Fotografie.

Hier ist ein medientheoretisches Problem angesprochen, das es bei der historischen Betrachtung der Rolle der Fotografie in Spiritismus und Okkultismus zu beachten gilt – nämlich, dass eine Foto vorgibt, etwas realistisch wiederzugeben, ein Analogen der Wirklichkeit zu sein. Hier wird ein theoretisches Konzept von Fotografie zu Grunde gelegt, das darauf hinweist, dass Bildern erst während ihrer Rezeption, während der Betrachtung, eine Bedeutung zugewiesen wird und diese von den weiteren und engeren Umständen der Rezeption abhängt. Der Betrachter, so lässt sich formulieren, sieht nur das, was er auf dem Bild erkennt, allerdings nicht zwangsläufig auch genau das, was der Produzent eines Bildes, also der Fotograf, sah.

Zum Zweiten verwundert der Zeitpunkt der ersten Fotografien des Übernatürlichen. Die 1850er Jahre bringen zahlreiche technische Fortschritte, die Industrialisierung gewinnt an Fahrt, die Naturwissenschaft kann auf immer mehr Gebieten Deutungsmonopole beanspruchen. Und ausgerechnet auf dem Medium der Moderne werden die ersten Geister sichtbar.
Zum Ende des Jahrhunderts und zu Anfang des 20. Jahrhunderts, als Deutschland sich zu einer Wirtschaftsnation entwickelt hat und kurz vor dem ersten Weltkrieg steht, möchten man mit Hilfe der Fotografie gar Kräfte nachweisen, die es Menschen ermöglichen, Gegenstände zum Schweben zu bringen und einen feinen Psycho-Stoff, das Tele- oder Ekto-plasma, nach Gedanken zu formen.

Geister auf Fotos? Bilder von Teleplasma? Sicherlich ließe sich beides leicht als Spinnerei einiger weniger abtun, oder auf eine anthropologisch-konstante Sehnsucht nach Übernatürlichem gründen.
Doch dagegen sprechen die relativ breiten Rezeptionen beider Phänomene. Ich gehe hier davon aus, dass es sich bei den beiden hier betrachteten Quellen keineswegs um Zeugnisse völlig abseitiger Diskurse handelt. Sie speisten sich durchaus aus größeren thematischen Tendenzen der Zeit.
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Erstellt am: 24. Februar 2005, generiert: 17:01 Uhr. Ver: 0.9 Valid: XHTML | CSS