P[Quellen]::Fotografische Beweise für Geisteraktivität

Die Geisterfotografie des Mumler und Buguet bewegte sich in der spiritistischen Tradition, mit Verstorbenen in einem Nachleben Kontakt aufzunehmen. Wie Seite "Geister-Industrie", Abbildung 1 aufzeigt, hielt sich die Massenfertigung bis in die 20er und 30er Jahre des 20. Jahrhunderts hinein. Bei Cyrill fand ich die Darstellung einer Geisterfotografie aus dem Jahr 1936.
Diese Bilder vollzogen einen religiösen Spiritismus, der keinen Beweis für die reale Existenz eines Nachlebens benötigte. Wie aufgezeigt (siehe Die Geister Mumlers) war die Gläubigkeit Voraussetzung für die Interpretation der Bilder. Die unhinterfragte Annahme, das empfindsame Medium Fotografie könne die Verstorbenen als Schemen auf die Platte bannen, setzte den Rahmen für die Betrachtung der Bilder. In den Schemen gab es stets Ähnlichkeiten (likeness), womit für die Gläubigen außer Frage stand, dass es sich um ihre Verblichenen – und auf den Fotos erschienen sie ja optisch ausgedünnt! – handelt.

In diesem Sinne war das Auftauchen der Verstorbenen auf fotografischen Platten zunächst nur eine weitere Variante dieser Rituale [mit Geistern durch Klopfzeichen in Kontakt zu treten, A.R.], aufregend insofern, als sich die Geister nun zum ersten Mal sehen ließen, schreibt Krauss. Insofern standen die ersten Geisterfotografien tatsächlich in sehr direkter Nachfolge des spiritischen Ursprungs (Siehe Seite Spiritismus). Den verortete man bei den Geschwistern Fox in Hydesville, bei denen sich 1848 ein Geist mit Klopfzeichen bemerkbar machte.

Es ist nicht zu bestreiten, dass auch den frühen Geisterfotografien Beweischarakter zugesprochen wurde. Die Offensichtlichkeit der Geister, die ihre Entstehung als Produkt ja der Gläubigkeit zu verdanken haben, verstärkten wiederum sicherlich die Gültigkeit spiritistischer Deutungen. Die Geister waren eben nicht lediglich subjektiv erlebt (wie in den Séancen), sondern objektiv sichtbar.
Doch die Objektivität, darauf verweisen alle historischen Darstellungen der Geisterfotografie, litt mit der sukzessiven Aufdeckung der Geister-Produktionstechniken. Mehr Menschen wurden technisch kompetenter, man denke an die steigende Zahl der Fotoamateure, die sich mit der Geister-Erzeugung in der heimischen Dunkelkammer besfassten, und damit auch ein wenig medial kompetenter. Zunehmend wurde klar, dass der Fotoapparat nicht objektiv abbildete, sondern zahlreiche Einflussnahmen erlaubte.

Neben diesem Massenphänomen Geisterfotografie, das sich auf spiritistische Gläubigkeit stützte, kann man in diesem Umfeld doch [...] von einem wissenschaftlichen Spiritismus sprechen, der wiederum als Vorläufer der modernen Parapsychologie gelten kann. 1 Mit diesem Wechsel kommen man, so Krauss, in den Bereich der normalen Fotografie.

Und hier fällt dem Foto bereits die Rolle des intersubjektiven Nachweises zu. Ohne hier näher auf die Gründe für diesen Wechsel einzugehen (dazu: paranormale Fotos), lässt sich festhalten, dass diese Rolle der fotografischen Technik vor allem im Rahmen der Séancen zukommt.

1 Krauss, Rolf H.: Jenseits von Licht und Schatten: die Rolle der Photografie bei bestimmten paranormalen Phänomenen - ein historischer Abriß. Marburg 1992S. 106.
Erstellt am: 17. März 2005, generiert: 17:01 Uhr. Ver: 1.0 Valid: XHTML | CSS