P[Quellen]::Fotografie als Strategie der Evidenz

Fotografie und Strategien der Evidenz

Der Münchner Arzt und erste Psychoanalytiker Süddeutschlands (Moll) geht mit wissenschaftlichem Anspruch an die Würdigung der Materialisationsphänomene. Wobei er allerdings betont, dass die Anhäufung von Tatsachen [...] noch keine Wissenschaft sei. 1 . Eine Erklärung für die Beobachtungen könne er nicht liefern, es gehe ihm darum, lediglich zu konstatieren, zu beobachten und vorerst keine Schlüsse zu ziehen!.
Dennoch hinterlegt er, wie wir hier gesehen haben, die Annahme, es handele sich um Phänomenen, die von einer psychischen Welt in die physische Welt durchdringen. Diese Idee kommt letztlich in seinem Begriff der Ideoplastik zum Ausdruck.
Was Schrenck-Notzing einleitend zu den Materialisationsphänomenen als Methode bei mediumistischen Untersuchung bezeichnet, möchte ich hier vor allem als eine Strategie verstehen, Evidenz zu erzeugen. Es ist gerade das Problem der mediumistischen Forschung, der sich Schrenck-Notzing und einige Zeitgenossen widmen, dass sie sich einer Überprüfung in der Weise der Naturwissenschaften entzieht: Chemie und Physik erleben in Deutschland zwischen 1850 und 1900 als wissenschaftliche Disziplinen und in der Folge als wirtschaftliche "Anwendung" einen Aufschwung. So muss sich auch naturwissenschaftliche Erkenntnis den Methoden der neuen Wissenschaften beugen.
Doch die Phänomene lassen sich gerade nicht so deterministisch erzeugen wie eine chemische Reaktion, die unter den gleichen Bedingungen stets mit dem gleichen Ergebnis abläuft. Ihre Entstehungsbedingungen liegen im Verborgenen, was erklärt, warum Schrenck-Notzing diese die Sitzungen über so genau betrachtet (etwa den energetischen Zustand des Mediums). Tatsächlich scheint ihm vorzuschweben, die Bedingungen der teleplasmatischen Produktion möglichst exakt zu kontrollieren – die spiritistische Sitzung als okkultes Laboratorium! 2 Dies ist eine der Strategien, die die Glaubhaftigkeit und Gültigkeit der Phänomene sichern sollen. Im Folgenden möchte ich kurze Blicke auf die wesentlichen Strategien werfen, die vor allem in Anlehnung an wissenschaftliche Methoden der Zeit, Evidenz herstellen.

1 Schrenck-Notzing, Albert Freiherr von: Materialisationsphänomene. Ein Beitrag zur Erforschung der mediumistischen Teleplastie. München 1914, S.38
2 Schrenck-Notzing, Albert Freiherr von: Materialisationsphänomene. Ein Beitrag zur Erforschung der mediumistischen Teleplastie. München 1914, S. 16
Erstellt am: 7. März 2005, generiert: 17:01 Uhr. Ver: 1.0 Valid: XHTML | CSS